Falko Götz

Fußballtrainer

Die Arche: Ein Ort der Geborgenheit

mit hertha bei der archeEs gibt da ein Projekt, das mich in allen Bereichen nicht nur emotional berührt, sondern richtig gepackt hat. Weil es Sinn macht, weil es wichtig ist, weil es dort hilft, wo es so richtig wichtig ist: Es geht um unsere Zukunft, es geht um unsere Kinder – und es geht darum, nicht nur über Hilfe zu reden, sondern sie zum Alltag zu machen. Die Arche tut es. Und ich möchte dieses soziale Engagement, so gut ich eben kann,  unterstützen. Warum? Folgendes Interview gibt einen kleinen Einblick in meine Gedankenwelt: 

Wie kam es zu den ersten Kontakten zwischen Falko Götz und der ARCHE?

Der erste Kontakt kam eigentlich durch einen ganz normalen Fußball. Ich war bei Freunden, der Familie Cramer,  zum Essen eingeladen. Dabei haben wir zum ersten Mal über die ARCHE gesprochen. Bettina hatte mich damals gebeten, für eine Tombola der ARCHE einen Ball von Hertha BSC zur Verfügung zu stellen. Es kam dann dazu, dass ich mich weiter interessiert habe. Bernd Siggelkow habe ich dann bei einer ARCHE-Weihnachtsfeier in einem Hotel kennen gelernt. Dorthin wurde ich von der ARCHE eingeladen, durfte dabei sein und bin auch so mit vielen der Kinder in Berührung gekommen. Für mich stand dann auch von der ersten Sekunde an fest, dass ich mich weiter für die ARCHE engagieren wollte.

Merkt man, wenn man heute eine Einrichtung wie die ARCHE besucht, Unterschiede? Ist das eine andere Welt?

Absolut! Es gibt sehr, sehr kuriose Situationen und man spürt deutlich die eigene Befangenheit, wenn man hingeht. Man hat eigentlich gar keine Vorstellung, auf was man da trifft. Die Realität ist manchmal schon ganz schön bitter und ernst. Jeder Besuch bei und jeder Kontakt mit der ARCHE war für mich ein sehr nachhaltiges Erlebnis und hinterlässt Erinnerungen, die mich noch tagelang beschäftigen. Und trotzdem habe ich gesagt, ich möchte weiterhin dabeibleiben. Es gibt nichts, was mich davon abhalten könnte, weil die Hilfe, die man da geben kann, viel, viel wichtiger ist als das, was einen selbst betrifft.

Der Staat zieht Gelder zurück und hat ja letztendlich auch nicht mehr viele Gelder für solche Projekte. Ist das Engagement von Unternehmern wichtig, um die Zukunft zu sichern?

Man sieht ja deutlich, dass es unterschiedliche Schichten in der Bevölkerung gibt. Es gibt die, denen es sehr gut geht, es gibt die, denen es gut geht, und es gibt sehr viele, denen es richtig schlecht geht. Diese Schere geht immer weiter auseinander. Deswegen ist es sehr wichtig, dass sich große Firmen, gut verdienende Privatleute und Leute aus der Öffentlichkeit für solche Dinge stark machen. Das ist eine Hilfe und das war auch damals meine Motivation. Ich habe die ARCHE persönlich kennen gelernt. Ich weiß, dass dort immer relativ direkt geholfen werden kann. Und deswegen gilt auch mein Engagement der ARCHE, weil ich weiß, da gibt es kurze Wege, man kennt sich untereinander und ich kenne auch die Entscheidungsträger. Ich bin nicht so ein Narzist, der gern in der Öffentlichkeit ist. Ich habe schon zu viel Öffentlichkeit durch meinen Job. Aber in diesem Fall bin ich sehr gerne bereit, die Öffentlichkeit dafür zu nutzen, Multiplikatoren für die ARCHE zu finden.

In Berlin leben 36 Prozent aller Kinder im Alter zwischen null und acht Jahren von Sozialhilfe. Was ist das für eine Zahl in Ihren Augen?

Das ist eine unglaubliche Zahl. Wenn man die Bilder aus Lateinamerika und Afrika sieht, wo ich auch schon öfter war, dann geht unser Herz auf einmal auf. Wir fangen an, sozial zu denken, Portemonnaies zu öffnen und zu spenden, und merken gar nicht, dass wir die Probleme auch vor der eigenen Haustür haben. Ich glaube, deswegen war es für mich eine unheimlich schöne Geschichte, mit der ARCHE in Kontakt zu kommen. Denn ich bin der Meinung, es ist wichtig, vor der eigenen Haustür zu helfen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Sensibilität in Bezug auf das Thema Kinderarmut zugenommen hat?

Ich glaube, dass die Bevölkerung durch Einrichtungen wie die ARCHE sensibilisiert wurde. Und das darf jetzt nicht aufhören. Denn jedem Kind, das gequält wird, und jedem Kind, dem es schlecht geht, muss geholfen werden. Das muss unser Ziel sein. Da dürfen persönliche Eitelkeiten keine Rolle spielen. Wir sollten dafür sorgen, dass es immer wieder thematisiert wird. Wir sollten dranbleiben, uns nicht damit zufriedengeben, dass sicherlich großartige Hilfen auf den Weg gebracht wurden, dass großartige Hilfen schon die ARCHE erreicht haben, aber das ist ein Thema, das nie ein Ende haben wird. Jeder, der da helfen kann, ist wichtig und muss ins Boot genommen werden und muss vor allem auch zur Verantwortung gezogen werden.

Kann es sich ein Land wie Deutschland leisten, auf so viele Kinder zu verzichten? Letztendlich sind ja Talente unter diesen Kindern.

Da liegt doch das Problem. Was reden wir über „uns leisten können“? Wir reden über Realität. Es ist ja schließlich nicht so, als gäbe es andere Möglichkeiten. Es ist Realität in Deutschland, dass wir eine sehr, sehr hohe Kinderarmut haben, dass wir sehr arme Leute haben, die keinen Job, die keine Ausbildung haben. Es ist Realität. Wir müssen uns mit dieser Realität auseinandersetzen. Alles andere sind Hirngespinste. Wenn es keine öffentlichen Gelder gibt, dann müssen wir dafür sorgen, und da sind gerade wir, die wir in der Öffentlichkeit stehen, gefragt, dass Gelder zur Verfügung gestellt werden, dass Gelder organisiert werden, die es ermöglichen, Einrichtungen zu schaff en, die wieder Werte vermitteln.
Heutzutage ist es einfach notwendig, dass beide Elternteile arbeiten gehen. Doch wer leidet darunter? Die Kinder! Soziale Probleme entstehen doch genau dadurch, dass ein Familienleben, so wie ich es aus der eigenen Jugend kenne, heute gar nicht mehr entsteht. Die Zeit, die noch mit Kindern verbracht wird, ist einfach zu wenig. Deswegen müssen wir Einrichtungen schaff en, in denen die Kinder sich beschäftigen und in denen sie etwas für das Leben lernen. Ich glaube, dass die ARCHE da genau den richtigen Ansatz hat, denn das Ziel der ARCHE ist es, die Kinder in ein Leben zu führen, das lebenswert ist. Dazu gehört eine vernünftige Ausbildung, wenn es geht, und ein vernünftiger Beruf danach. Das sind doch hehre Ziele für die heutige Zeit.

Das Interview führten die Autoren des Buchs „Deutschlands vergessene Kinder“ (Hoffnungsgeschichten aus der Arche), erschienen in den Gerth Medien, Random Verlag.
 

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