Falko Götz

Fußballtrainer

Schluss-Strich

Es hat seine Zeit gebraucht, um die Ereignisse der letzten Zeit zu verarbeiten und einzuordnen. Jetzt, mit dem nötigen Abstand und den rechtlichen Bewertungen im Rücken, kann ich eurem vielfach geäußerten Wunsch nachkommen und meine Sicht der Dinge schildern.

Das Wichtigste vorneweg: Es geht mir gut. Die gegen mich erhobenen Vorwürfe („Tätlichkeit gegen einen Spieler”) sind mit dem Urteil vom 9. September 2010 endgültig vom Tisch. Ebenso dieser vermeintliche Strafbefehl, den es tatsächlich nie gab.

Fakt ist: Ich bin sowohl als Privatperson wie auch beruflich als Fußball-Lehrer rehabilitiert. Aber selbstverständlich stellt sich auch mir die Frage, ob nach solch einer von den Medien begleiteten Geschichte nicht immer etwas in den Klamotten hängenbleibt.

Ich habe in meiner bisherigen Laufbahn viel mit jungen Spielern gearbeitet. Ich habe sie weiterentwickelt, auf den Profi-Fußball vorbereitet, konnte einige von ihnen in die Bundesliga führen. Auch in den 16 Jahren zuvor als aktiver Spieler waren die Regeln des Sports mein Leitfaden. Da kann es nicht sein, dass man mich urplötzlich in ein solch schlechtes Licht stellt. Ich bin in eine öffentliche Zwangslage gekommen – mir blieb keine andere Wahl als erstmals in meinem Leben (und hoffentlich zum letzten Mal) vor Gericht zu ziehen.

Und jetzt?

Ich bin erleichtert, dass die Justiz alle Vorwürfe ausgeräumt hat. Nun ziehe ich einen Schluss-Strich unter das Kapitel Holstein Kiel. Nehme aber die Erfahrung mit, dass selbst ein auf mehrere Jahre angelegtes Entwicklungskonzept zur Umstrukturierung eines Vereins dann an seine Grenzen stößt, wenn im Tagesgeschäft die nötige Rückendeckung nicht da ist.

In Kiel sollte, so war die Absprache mit den Vereinsoberen, die Mannschaft verjüngt werden. Was Konsequenzen für all jene Spieler nach sich gezogen hätte, die große Verdienste im Verein hatten, mittelfristig jedoch keine sportliche Perspektive mehr. Wenn deren Lobby bei den Verantwortlichen des Vereins größer ist als das Vertrauen in die sportliche Führung – dann sind die notwendigen Schnitte im personellen Bereich nicht zu machen. In meinem Fall wurde entschieden den Trainer zu verabschieden. Unter einem Vorwand. Und hierbei, um Geld zu sparen, hat man es in Kauf genommen, dass ich öffentlich diskreditiert und mein Ruf beschädigt wurde. Meine Enttäuschung über diese Vorgehensweise ist groß, niemand konnte da wirklich etwas gewinnen.

Haften bleibt bei mir das Gefühl einer verpassten Chance. Wir sind in Kiel mit einem topmotivierten Team angetreten. Auch mein langjähriger Co-Trainer Andreas Thom war vom damaligen Konzept so überzeugt, dass er mir nach Kiel gefolgt ist. Wir wollten etwas aufbauen, Struktur schaffen, den Verein zielstrebig nach vorn bringen. Es begann nach Plan (Aufstieg), endete ziemlich abrupt. Das ist schade für den Fußball in Kiel, für die tollen Fans dort. Es wäre wirklich mehr drin gewesen.

 So, nun aber wirklich: Schluss in dieser Sache. Es ist aufgearbeitet, verdaut, abgehakt. Mein Blick geht nach vorn, melde mich demnächst wieder bei euch – hoffentlich mit guten Nachrichten. Bis dann, seid gegrüßt, euer

Falko Götz

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